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Michael Gans kam 1968 in Stuttgart zur Welt. Von 1974 bis 1978 besuchte er die Grundschule, von 1978 bis 1987 das Johannes-Kepler-Gymnasium in Leonberg, an dem er 1987 sein Abitur bestand. Von 1987 bis 1990 absolvierte er eine Ausbildung zum Schreiner in Großaspach und Sindelfingen, die er 1990 mit der Gesellenprüfung in Sindelfingen abschloss. Von 1990 bis 1991 war er als Schreinergeselle in Hemmingen tätig.
Von 1991 bis 1995 studierte er das Lehramt für Realschulen grundständig an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg in den Fächern Technik (HF), Kunst (NF) und Deutsch (NF). Sein Studium schloss er 1995 mit der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Realschulen ab. Von 1995 bis 1997 absolvierte er das Erweiterungsstudium im Fach Spiel- und Theater-pädagogik (NF) an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, von 1997 bis 1999 das Magisterstudium mit fachdidaktischem Schwerpunkt in den Fächern Deutsch (HF), Kunst (NF) und Technik (NF) ebenfalls an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Von 1996 bis 1997 leistete er seinen Vorbereitungsdienst am Seminar für schulpraktische Ausbildung (Realschulen) in Ludwigsburg und an der Ostertagrealschule Leonberg und schloss das Referendariat 1997 mit der Zweiten Staatsprüfung für das Lehramt an Realschulen ab. 1997 wurde er in den Schuldienst des Landes übernommen, seine erste Dienststelle war bis 1999 die Daniel-Straub-Realschule in Geislingen/Steige. Seit 1997 war er Lehrbeauftragter des Faches Deutsch an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. 1998 legte er die Erste Staatsprüfung für das Lehramt an Realschulen im Fach Spiel- und Theaterpädagogik (NF) an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg ab, 1998/99 die Abschlussprüfung im Magisterstudium mit fachdidaktischem Schwerpunkt in den Fächern Deutsch (HF), Kunst (NF) und Technik (NF). Das Thema seiner Magisterarbeit lautete: Kästner lesen in der Schule. Didaktische Blicke in eine literarische Werkstatt.
Von 1999 bis 2003 promovierte er mit dem Dissertationsthema: Die poetische Werkstatt Rose Ausländers in einer Medialen Textwerkstatt Deutsch an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und wurde dabei während seiner Elternzeit von 1999 bis 2001 durch ein Stipendium der Landesgraduiertenförderung Baden-Württemberg unterstützt. Von 2001 bis 2003 war er Realschullehrer an der Realschule am Goldberg in Sindelfingen und unterrichtete die Fächer Deutsch, Bildende Kunst und Natur und Technik. Von Oktober 2002 bis März 2003 war er Ausbildungslehrer und betreuender Dozent von Lehramtsstudierenden im Tagespraktikum (Deutsch, Realschule). Seit Mai 2004 ist er als Akademischer Rat an der PH Ludwigsburg tätig.


Selbstfragmente


Vom Eigenen zu schreiben, von innen her - objektiv unmöglich
von sich abzusehen über sich hineindenken, wahrnehmen, ausdrücken,
den Kern herausschälen aus schalgewordenen Hüllen tränenreich zwiebelnd
beißend im unsichtbaren Aug - unsehbar, unübersehbar eigentlich
schrill im tauben Ohr - schwerhörig, unüberhörbar wesentlich
stechend in ledrige Haut - tastlos, ungreifbar handlich - ein Versuch:

»meine hautfarbe weiß, meine augen blau, mein mut verschieden, meine laune launisch [...] meine ausdauer stark, meine anliegen sprunghaft, meine sehnsüchte wie die windrose, im handumdrehen zufrieden, im handumdrehen verdrossen, ein freund der fröhlichkeit, im grunde traurig, den mädchen gewogen, ein [seltener] kinogeher, ein liebhaber [der musik], ein übler schwimmer [...] ein vater von kindern, ein Judas der Mütter, treu wie Pilatus, sanft wie Puccini [...] verworfen, gedichte geschrieben, scheiße gesagt, theater gespielt [...] grimassen geschnitten, ciao gestammelt, fortgegangen, a gesagt, b gemacht, c gedacht, d geworden.
Alles was man sich vornimmt, wird anders als man sichs erhofft...«
hat ein anderer geschrieben über sich, sein Innen- und Außenleben, meines treffend
Unzutreffendes ausgelassen, die [Leerstellen] sind anders gefüllt, anders zu füllen im weiteren Verlauf, fühlt sich, denkt sich, schreibt sich fort bis zum Ende

Schon bei der Heimat wird's schwierig: Deutschland, Europa, das Schwäbische
oder noch fernnäherer Lebensraum, Wohnort, Identität - weltläufiger Globalplayer
oder lokalpatriotischer Nesthocker, eines näherliegend als wunschträumende Luftwurzeln?
Bekannt die Eltern, unbekannt das Zeugungsmotiv - wohl eher ein studentisch beunruhigter Unfall in der heißen Zeit: Generationenkonflikt im großfamiliären Selbstversuch. Erstgeborener, großer Bruder - abstämmig, abständig, anständig, aufgewachsen bei der Oma, Lehrerskind, Musiker- und Schreinerenkel, Einzelgänger Schiss vor dem Kindergarten, vor der Schule, vor Vereinen, vor Bewährung - der Kampf um Anerkennung mit anderen Mitteln: die eigene Welt aus Legosteinen, Geschichten, Tischeishockey, Kriegsspielzeug - zugegeben
Beim Judo Zähne gelassen, im Chor gesungen, das Trauma der erstletzten Beichte - überhaupt Kirche: kindlich unbedacht nachgebetet, später dann vom Baum der Erkenntnis gegessen, nun nur noch passives Mitglied des katholischen Paradieses - bislang unausgetreten...  

Durch die Biographie schälend zum eigentlichen oder verbleibend im Belanglosen?
Müsste nicht mehr von Zäsuren die Rede sein, von Krisen, Wendepunkten, Ängsten?
Vom Scheitern des ein oder anderen Lebenskonzeptes, von Fehlentscheidungen - enger fühlend und teilweise unwiderruflich? Von der Suche nach Antworten auf die Frage: Wer bin ich und was will ich?
Vom vergeblichen Herandenken und Herausstammeln - bis hierher?
Oder doch von der Liebe... was ist das eigentlich? Eine große, schmerzliche Lücke, die - lange unerfüllt, irgendwann hektisch - geschlossen wurde. Zu schnell für ausgiebiges Erleben, Erfühlen, Erfahren, Erkennen - zu schnell zu sicher zu handspatzig blieb die Taube auf dem Dach

Pickte sich - von Zeit zu Zeit zunehmend - ins Bewusstsein, ließ sich mit Handarbeit nicht länger abspeisen - wurden Wünsche, Träume, Sehnsüchte fett und lasteten auf dem morschen Dachstuhl der Gewohnheit, des faulen Kompromisses - unsichtbare Fäden spinnend um die Freiheit der Entscheidung, um die Kontur des Willens Schönheit als Abbild, Sexualität als Idee, Trieb als krank machende Lücke hinter funktionierend strebsamer Fassade - Arbeit ist ungeil, ist Droge, Verdrängung

So nimmt sich der Kern seine Krisen: plötzlich, spektakulär, existentiell, eruptiv  - vier Wochen Hirsau, dem Wahnsinn ins Auge geschaut, wohl zu schnell dem Abgrund entkommen
Zu Fühlendes, zu Erleidendes, zu Lebendes blieb unberührt - war fortan tabu
Die Kinder entschieden Endgültiges, trieben die Enge auf die Spitze - machten das Versagen unvermeidlich. Sie sind da - zum (Un)Glück!
Schleichender damals, weniger spektakulär, enger schon und wieder existentiell - zwei Jahre Analyse, das Innere durchdacht, angesprochen, Tabus blieben undenkbar - ausgespart, abgebrochen, aufgehört - in Elternzeit, Promotion, Berufswechsel
Noch schleichender, in kürzer werdenden Abständen, meldet sich der Kern, sendet Signale, die wahrzunehmen und umzusetzen als Aufgabe wartet - ungeduldiger inzwischen, penetranter, rigoroser
Änderungen werden kommen und gehen, Konzepte entwickelt und verworfen, Entscheidungen getroffen und bereut, Menschen beglückt und verletzt, wird Leben gelebt, anderes bleibt ungelebt - was soll's?

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