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Seit dem Wintersemester 2003/2004 führe ich regelmäßig das Seminar "Textwerkstatt - analysieren und produzieren literarischer Texte" an der PH Ludwigsburg durch.

»Schreiben ermöglicht schriftliche Kommunikation. Schriftlich treten wir mit Menschen, die außerhalb unseres Nahbereichs sind, in Kontakt und teilen ihnen etwas mit, und wenn wir uns selbst etwas notieren, sind wir gewissermaßen über die Zeit hinweg unser eigener Kommunikationspartner. [...] Schreiben fördert Reflexion und Erkenntnis; dadurch ist es ein Mittel der geistigen Arbeit. Dieser Aspekt betrifft also die Gegenstände, denen wir uns beim Schreiben in Gedanken zuwenden. Schreiben ermöglicht Festhalten und Wiederlesen von Gedanken und die Arbeit mit ihnen. [...] Schreiben ermöglicht absichtsvollen sprachlich-symbolischen (Selbst-) Ausdruck. Dieser Aspekt betrifft also den Schreibenden selbst, der sich mit dem, was er schreibt, nach außen wendet. Die materialisierten sprachlichen sowie die sinnlich-ästhetischen Qualitäten der Schrift werden genutzt, um die je eigene Sichtweise, Befindlichkeit, Bedürfnislage auszudrücken und öffentlich zu machen.« (Fritzsche, 1994).

Neben textanalytischen und schreibreflexiven Phasen werden im gemeinsamen und einsamen Prozess Texte unterschiedlicher Machart für die Schublade oder eine Öffentlichkeit zweckorientiert oder als Selbstzweck verfasst, verlesen, verschwiegen, verbessert oder vergessen. Poetologische Positionen verschiedener Autor/innen treten dabei in Korrespondenz zu eigenen Schreiberfahrungen. Im (kunst-)handwerklichen Milieu einer Textwerkstatt ringen wir um sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten - auch Schreiben und Lesen zwischen den Zeilen, um Ungesagtes oder Unsagbares mitzuteilen... Methodische Ansätze der literarischen Textanalyse und der textproduktiven Aufgabenstellung im didaktischen Kontext werden erprobt, kritisch hinterfragt und im Hinblick auf unterrichtliche Relevanz eingeordnet.  

Lektüreempfehlungen (Auswahl):
- Gabriele L. Rico (1984): Garantiert Schreiben lernen. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag
- Lutz von Werder (2001): Lehrbuch des Kreativen Schreibens. Berlin: Schibri-Verlag
- Fritz Gesing (2004): Kreativ schreiben. Handwerk und Techniken des Erzählens. Köln: Du Mont Verlag
- Bichsel, Peter (1997): Der Leser. Das Erzählen. Frankfurter Poetikvorlesungen. Frankfurt/M.: Suhrkamp Taschenbuch Verlag
- Domin, Hilde (1993): Das Gedicht als Augenblick von Freiheit. Frankfurter Poetikvorlesungen. Frankfurt/M.: Fischer Taschenbuch Verlag
- Fritzsche, Joachim (2000): Schreibwerkstatt. Geschichten und Gedichte: Schreibaufgaben, -übungen, -spiele. Material- und Arbeitsheft für Schüler ab Klasse 5-10. 2. Auflage, Stuttgart: Klett Verlag
- Bräuer, Gerd (Hrsg., 2004): Schreiben(d) lernen. Ideen und Projekte für die Schule. Hamburg: Edition Körber-Stiftung Schuster, Karl (1997): Das personal-kreative Schreiben im Deutschunterricht. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren


In dem Workshop soll das Schreiben kurzer Kriminalgeschichten eingeübt werden. Dazu werden zunächst typische Merkmale des Kurzkrimis benannt und am Beispiel verdeutlicht. Es folgen Schreibaufgaben, die zur Vorbereitung einer Kriminalerzählung wichtig sind und in Vorbereitung des Workshops bearbeitet werden sollten.  

Typologisches
Der Kurzkrimi enthält einerseits Elemente des Kriminalromans, andererseits weist er Merkmale einer Kurzgeschichte auf, die alternative Lösungen zur langen epischen Form provozieren. Die relative Kürze der Erzählung lässt kaum Raum für ausladende Beschreibungen, ein großes Figurentableau oder mehrere, ineinander verwobene Handlungsstränge. Der Plot ist auf für den Leser überraschende Wendungen aufgebaut, die die Erwartungshaltung immer wieder durchkreuzen. Üblicherweise wird die Geschichte im Epischen Präteritum erzählt.
Die Figurenkonstellation Opfer - Täter - Ermittler - Verdächtige - Sonstige ist begrenzt, das Beziehungsgefüge dieser Figuren zueinander daher dynamischer als beim Roman. Bestimmend bleiben auch beim Kurzkrimi die Fragen nach Täter (Whodunnit?), Tathergang und Motiv, allerdings zwingt die Kürze oft zu Zeitsprüngen (raffende Erzählweise) und Szenewechseln. Die falschen Fährten (Red Herrings) werden meist nur skizziert und relativ schnell als solche entlarvt. Retardierende Momente im Handlungsverlauf, Krisen bei der Ermittlungsarbeit oder Schilderungen zu einzelnen Figuren fallen ebenfalls kurz aus. Daher werden Symbole, Bilder, Detailwahrnehmungen, metaphorische Sprache zu wichtigen Handlungsträgern. Manchmal entfaltet sich im Dialog zwischen Hauptfiguren die Problematik des Falles, werden die entscheidenden Fragen gestellt und (richtig oder falsch) beantwortet, bringen zündende Ideen die Lösung des Falles voran. Elemente des Detektiv- oder Rätselromans (vgl. Gesellschaftsspiel Cluedo) sind eher charakteristisch als Thrillerbestandteile - für Actionpassagen (vgl. Scottland Yard) fehlt wiederum der Erzählraum. Die Schilderung von Zeit und Raum wird angedeutet (hat häufig für sich symbolische Bedeutung), die Beschreibung einzelner Figuren auf Wesentliches reduziert, z.B. markante Eigenschaften oder Empfindungen bzw. Erfahrungen, die im Zusammenhang mit dem Fall Bedeutung haben.
Analog zur Langform des Romans erhält der Leser erst am Schluss (mit dem letzten Satz) die vollständige Enträtselung des Falles. Am folgenden Beispiel eines Kurzkrimis »Eiszeit« von Åke Edwardson sollen die genannten Merkmale am Fließtext nachgewiesen und veranschaulicht werden.

Lektüreempfehlung (Auswahl)
- James N. Frey (2004): Wie man einen verdammt guten Kriminalroman schreibt. Köln: Emons Verlag


Seit einigen Jahren hat sich Slam Poetry in der deutschen (Sub-)Kulturszene etabliert und findet zunehmend auch in der fachdidaktischen Diskussion Berücksichtigung.
Beim Schreiben eigener Texte kombinieren Autoren über die eigene literarische Rezeptionserfahrung im kreativen Prozess Traditionelles mit Innovativem, finden mit hoher Authentizität und Ernsthaftigkeit zu originellen Ausdrucksformen für ein Publikum. Der Wunsch nach Resonanz, nach Effekt im Wettbewerb, qualifiziert Slamtexte für eine spezifische Rezeption: poetische Schubladen werden geöffnet - Gesellschaftliches oder Intimes, Ein- oder Mehrdeutiges einer unmittelbar wertenden Öffentlichkeit präsentiert. Text und Performance werden durch aktive Rezipienten bewertet, die häufig selbst Autoren sind.
Die fünf Produktionsstufen der rhetorischen Schule nennen inventio (Erfindung > hier: Inspiration, Themenfindung, Brainstorming), dispositio (Gliederung > hier: Erstellen eines Schreibkonzepts, Textskizze), elocutio (Einkleidung der Gedanken in Worte > hier: Ausarbeitung des Textes z.B. nach Maßgabe lyrischer Regeln), memoria (Einprägen der Rede > Auswendig lernen des Textes) und pronuntiatio / actio (Vortrag, stimmliche, mimische und gestische Mittel). Mit Slam Poetry sind die zentralen Arbeitsbereiche des integrativen Literaturunterrichts tangiert (Schreiben, Überarbeiten, Vortragen, Zuhören, Bewerten). 
Seit Sommersemester 2005 veranstaltet die Fachschaft Deutsch regelmäßig den PHoetry sLam im Lit-Café der PH Ludwigsburg. Studenten, Dozenten und Externe können hier ihre Slam Poetry zum besten geben. Die Regeln orientieren sich an dem Slam in der Rosenau: Bis zu 20 Teilnehmer/innen haben jeweils 5 Minuten für ihre Performance. Dem Sieger winkt nach guter Slam-Tradition eine Flasche Whisky... Das PH-Publikum ist sehr tolerant und macht es den Slammern leicht, sich - häufig zum ersten Mal - auf die Bühne zu stellen und ihre Texte zu präsentieren

Lektüreempfehlung:
- Anders, Petra (2004): Poetry Slam. Live-Poeten in Dichterschlachten. Ein Arbeitsbuch. Mülheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr



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